Gestaltungshinweise

Gestaltungshinweise

Eine Web-Präsenz wächst mit den Erfahrungen der Betreiber und den Resonanzen der Besucher. Ein optimaler Auftritt mit allen Modulen, Designelementen, Bedienerführungen und Konstruktionsprinzipien ist nicht ohne Erfahrungen planbar und wird dann 1:1 umgesetzt. Das Internet ist voll von leeren, ungenutzten Präsenzen, denen ein großer Entwurf vorausgegangen ist. Der gewünschte Erfolg und das Wachstum mit den Besuchern stellen sich natürlich als Reaktion auf veränderte Potenziale und als Ergebnis von Lerneffekten ein. Das Internet selbst wächst dynamisch in seinen Nutzungsmöglichkeiten, und auf der Web-Präsenz werden Ideen nach den ersten Ergebnissen und Erfahrungen wachsen und reifen. Eine erfolgversprechende Strategie ist flexibel genug, zukünftige Entwicklungen und Änderungen in den Anforderungen aufzunehmen.

Ein Baum wächst nicht komplett durchstrukturiert mit allen Verästelungen und Blättern aus der Erde. Er hat ein Konstruktionsprinzip und passt sich mit diesem an unterschiedliche Bodenqualitäten an. Wind und Wetter, wandelnde Umweltbedingungen und besondere Ereignisse prägen ihn. Irgendwann ist er ein Baum, aber keiner kann dem ersten Spross ansehen, wie das ausgewachsene Exemplar beschaffen sein wird.

Erfolgreiche Web-Präsenzen beginnen einfach und schnörkellos mit einer Mission, einer Zielgruppe und Konstruktionslinien, die genügend Raum für zukünftige Weiterentwicklungen lassen. Eine überschaubare Präsenz mit erkennbarem Fokus wird gut besucht und zieht weitere Nutzer an, wenn sie eine eindeutige Identität im Einklang mit der CI hat. Ein klarer Ansatz geht auf die Wünsche der Teilnehmer ein und eröffnet die weiteren Dienste nach dem Bedarf.

Das befreit natürlich nicht von der Aufgabe, mit einem konsistenten Konstruktionsprinzip und einer Vision für den gesamten Auftritt zu beginnen. An einem Baum sprießen die Blätter nach einer definierten Struktur in die Höhe und werden zu starken und tragenden Stämmen und Ästen. Aber es sprießen eben Blätter und nicht Wurzeln an den Zweigen.

Wir haben von den Inhalten, der Führung und der Kommunikation als Klassifikationen für den Aufbau der Website gesprochen. Mit den Gestaltungshinweisen wenden wir uns beispielhaft einigen Details mit selektierten Tipps zu, die in den jeweiligen Klassen beachtet werden sollten.[1]

Die Inhalte

Entwickler teilen Seiten gern schon mal in Frames (Rahmen) ein, denn innerhalb dieser Teilbereiche kann man Inhalte unabhängig voneinander darstellen. Ich will mit Ihnen nicht in diese technischen Diskussionen einsteigen. Nur soviel: wenn Sie Wert darauf legen, in Suchmaschinen gut gelistet zu sein, vermeiden Sie Frames. Jeder Frame hat eine eigene URL und Suchmaschinen mögen es nicht, auf einer Seite 4 oder 5 verschiedene URLs zu indexieren.

Aus der Anfangszeit der Web-Programmierung hat sich diese Technik bis heute noch immer auf Webseiten gehalten. Dabei bringt sie einige Nachteile mit sich, die den Einsatz von Frames nicht empfehlenswert machen.

Der User kann die Seiten schlecht ausdrucken, weil jeder Frame einzeln auf eine separate Seite gedruckt wird. Das passt dann am Ende gar nicht mehr zusammen. Ähnliche Einschränkungen ergeben sich bei der Anzeige des Quelltextes.

Eine Verlinkung auf Ihre Seite und die interne Verlinkung auf die jeweiligen Frames wird erschwert. Das spricht ausdrücklich gegen die Steigerung der Popularität Ihrer Präsenz. Kommt jemand nicht über die Startseite zu Ihnen, dann fehlen unter Umständen Inhalte, nämlich die des übergeordneten Frames.

Suchmaschinen indexieren die Inhalte auf den eingebetteten Frames nicht, denn von dort gibt es fast nie einen Rücksprung. Durch die Präsenz wird eben über den Hauptframe der Startseite navigiert, das soll ja grade die Erleichterung sein. Damit ist jeder untergeordnete Frame aber praktisch eine Einbahnstraße, in die ein Such-Robot die Besucher nicht schickt.

Seiten mit Frames haben typischerweise eine längere Ladezeit. Und das macht die Anwendung endgültig benutzerunfreundlich.

Für den sichtbaren Inhalt bieten einfache HTML-Tabellen das gleiche Ergebnis. Sie bringen keinen der oben genannten Nachteile mit. Aus dem Grund ist die Verwendung von Tabellen zu bevorzugen.

Wenn Sie Inhalte auf Ihre Seiten bringen, stehen Sie am Anfang vor der Frage, wie lang sollen Ihre Seiten werden. Soll der User endlos lang nach oben oder unten durch den Text scrollen? Oder sollen nur kurze Informationsblöcke auf mehrere Seiten jeweils verteilt werden, zwischen denen der Surfer vor- und rückwärts blättert?

Ich zeige Ihnen die folgenden Beispiele auch wegen der Inhalte. Sie sehen dort viele gute Tipps von Experten, mit denen Sie Ihre Web-Präsenzen aufwerten und für den Besucher verbessern.

Selbst die Experten scheinen sich bei der Seitenlänge nicht einig zu sein. Schaut man auf den Seiten der Suchmaschinenoptimierer nach, gibt es keine Variante, die allgemein akzeptiert ist. Die Amerikaner neigen eher zu langen Seiten, durch die man scrollt. Sie haben zwar jeweils zwischendurch einen „go back“ Button, der wieder an den Anfang der Seite führt. Aber insgesamt steht da in kleiner Schrift viel Text auf den Seiten. Ein typisches Beispiel ist ein sehr bekanntes und erfolgreiches Unternehmen, wie Bruce Clay.

http://www.bruceclay.com/web_analytics.htm

Auf deutschen Seiten wird das oft anders gehandhabt. Die Seiten sind ungefähr so groß wie der Bildschirm und man navigiert unten jeweils vor oder zurück. Auch hier ein typisches Beispiel eines ausgewiesenen Experten:

http://tinyurl.com/l5kpn

Die Entscheidung liegt nicht auf der Hand.

Kurze Seiten laden schneller und sind spezialisiert. Man braucht nur die Seite selbst zu finden, wenn man etwas Bestimmtes sucht. Da der Besucher aber durch die einzelnen Seiten der Präsenz navigieren muss, gehen mit jedem Wechsel auch wieder einige Interessenten verloren.

Bei langen Seiten sucht man die genaue Position auf dem Schirm und muss dem Interessenten Seitenanker als Hilfen anbieten. In dem Fall hat jede Seite ein kurzes Inhaltsverzeichnis. Eine Führung durch den Text scheint flüssiger und ohne Umblättern möglich.

Aus didaktischen Gründen bieten sich kurze Seiten an, weil der Besucher sich besser zurechtfindet und über eine gestaffelte Menüstruktur schneller zu den gesuchten Inhalten findet. In jedem Fall hilft am oberen Rand eine kurze Inhaltsübersicht. Surfer lieben es, wenn das Wichtigste der Seite schon auf den ersten Blick zu sehen ist.

Mit einem Kompromiss kann man beide Vorteile kombinieren, wenn man eine Kurzversion auf Seitenlänge stutzt und die weitergehenden oder ausführlichen Inhalte zum Download anbietet. Viel druckbaren Text bietet man „am Stück“ an.

Für das Angebot und den Verkauf von Produkten stellt sich die Frage der Seitenlänge kaum. Achten Sie darauf, ein Produkt pro Seite anzubieten. Damit macht man nichts falsch. Steht die Produktbezeichnung im Titel der Seite, hat der Robot der Suchmaschine ein leichtes Spiel. Er dankt es Ihnen mit einer schnellen Indexierung und Aufnahme in die Suchmaschine, wenn Sie ansonsten Fehler vermieden haben.

 Die Besucherführung

Auf den Produktseiten eines Shops erkennt man in der Regel auf den ersten Blick, worum es geht. Andere Seiten sollten jeweils einen aussagekräftigen Titel direkt am oberen Rand haben.

Dem Besucher bietet man alle sinnvollen Varianten an, sich in der Präsenz zurecht zu finden. Zur Führung durch die Themen gibt es viele Möglichkeiten. Ein wichtiges Prinzip ist und bleibt auch hier die Relevanz. Der Besucher soll wissen, was ihn auf der nächst höheren oder niederen Ebene erwartet. Das ist eine Möglichkeit, ihn zu leiten.

Die Navigation wird heute bei fast allen Seiten am linken Rand oder oben unter dem Header angeboten. Daran hat sich der Surfer gewöhnt. Und es entspricht im übrigen auch der Führung vieler Standardprogramme auf den Computern der Besucher. Es muss nicht bei einfachen Textlinks in der Navigation bleiben, fortschrittliche Seiten nutzen durchaus die Möglichkeit, über Grafiken zu den gewünschten Inhalten zu kommen. Ausgerechnet die ARD hat eine Rubrik, auf der das Prinzip der grafischen Bedienerführung mit einer Wiedergabe der Inhalte auf Videos kombiniert ist:

http://sport.ard.de/sp/doping/webmagazin/index.html

Man gelangt auf eine multimediale Steuerung mit Videoeinspielungen und rein grafischer Bedienerführung. Das ist innovativ, aber möglicherweise schon so weit fortgeschritten, dass es zu dem eher hausbackenen Image der ARD schlecht passt. Aus das ist ein Verstoß gegen das Relevanzprinzip. Die Erwartungen an die Web-Präsenz einer öffentlich-rechtlichen Institution sind verletzt. Das verstärkt zunächst einmal die Unsicherheit.

Trotzdem ist es ein gutes Beispiel für Variationen, mit denen man die Gewohnheiten des Surfers durchbricht und Aufmerksamkeit auf seine Präsenz zieht. Zur Erklärung von komplizierten Sachverhalten eignen sich Ton und stehende oder bewegte Bilder allemal. Dazu gleich noch einige Beispiele.

Eine Internet-Präsenz ist keinesfalls so übersichtlich, wie ein Buch oder ein Katalog. Sie hat aber andererseits den Vorteil einer Suchmöglichkeit. Eine gute Web-Präsenz bringt diesen Vorteil ins Spiel. Für die Surfer, die konkret einen Artikel oder ein Thema suchen, bietet man eine Volltextsuche an. Wenn in der Software für umfangreiche Web-Präsenzen keine Volltextsuche enthalten ist, nimmt man einfach die vom Marktführer Google. Hier ist ein Anwendungsbeispiel: Google-Suche.

Ein besonderer Komfort ist die alphabetische Auflistung von Stichworten oder von Produktnamen. Verlinkt man von diesen Begriffen auf die speziellen Seiten mit den Inhalten, nennt man diese Liste eine Sitemap. Eine Präsenz mit unterschiedlichen Themen und Kategorien gewinnt mit einer Sitemap. Viele Besucher erwarten das inzwischen. Und im übrigen lesen die Robots der Suchmaschinen auch gern Sitemaps und folgen den Links. Damit wird die Gesamte Präsenz besser und schneller indexiert.

Mit der Verbesserung der Bandbreite steigen die Möglichkeiten, die Texte mit Audio- oder Videosequenzen zu unterstützen. Damit knüpfen wir noch einmal an die aufwändige Programmierung der ARD an, deren Aufwand ein ertragsorientiertes Unternehmen genau kalkulieren und abwägen muss.

Zu Beginn und zum Test der Akzeptanz ist eine einfache Audio-Einspielung zu empfehlen. Sie wird einfach auf den Server eines Dienstleisters geladen und dann in die Website eingebunden. Der Besucher spult dann bei Bedarf die Sequenz ab. Praktisch identisch ist die Vorgehensweise für eine Videoeinspielung. Noch ist diese Variante im E-Business relativ neu und sorgt für eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Besucher.

Wer noch einen Schritt weitergehen will, baut einen Avatar nach seinem Geschmack zusammen und lässt beliebige Texte von einer solchen Figur vortragen. Das ist sicher ein gelungener Gimmick, aber es sei ausdrücklich davor gewarnt, den Bogen nicht zu überspannen. Die Zielgruppe im Business-Bereich für solche Spielereien ist klein und man muss ausgiebig prüfen, ob diese Realisierung zur eigenen CI passt. Mit anderen Worten, ob das Integritätsprinzip gewahrt bleibt.

Mit den Einspielungen wollen Sie den Besucher auf einer Seite halten, damit er möglichst konzentriert Ihren Ausführungen folgt. Das ist ein sehr enger Fokus.

Mit einer anderen Variante führen Sie den Besucher herum und schicken ihn von einer Seite zur anderen, damit er möglichst viel von Ihrer Präsenz kennen lernt. Versuchen Sie aber nicht, zu viele verschiedene Themen oder Dienste oder Produkte auf eine Seite zu bekommen. Das setzt die Relevanz herab und vermittelt das Image eines Kramladens. Das kann durchaus gewollt sein – insbesondere, wenn Sie einen Kramladen haben.

Schauen Sie diese Katzenseite an: http://tinyurl.com/lsq8b  Die Navigation ist extrem unübersichtlich – sowohl oben, als auch links, als auch unten! und die Favoriten sogar noch rechts. Auf den Seiten dieser Präsenz ist deutlich zu viel zusammen gepackt. Der User ist verwirrt und die Suchmaschinen sind es auch. Diese Seite hat kein PageRank und wird bei den Stichworten, wie Katzenfutter oder Katzenbedarf nicht angezeigt (dafür kommen andere Seiten derselben Präsenz).

Ein Beispiel aus der Computerbranche habe ich nicht nur ausgewählt, weil das Unternehmen groß und bedeutend ist. Die Seite beachtet das Integritätsprinzip und verstärkt das bekannte Image aus allen Medien. Der Besucher fühlt sich empfangen und kann sich leicht orientieren.

Die Seite ist übersichtlich. Man findet sich gut zurecht. Die Navigation ist eindeutig. Es ist nicht viel auf der Homepage, eine absolute Konzentration auf das Wesentliche.

Das mag jeder – der Besucher ebenso, wie die Suchmaschinen. Und so wundert es nicht, dass Apple bei dem Suchbegriff „Computer“ der ca. 4,1 Mrd. Treffer hat, ganz weit vorne steht.

Was immer sie auch ins Netz bringen, mit gut strukturiertem Inhalt und übersichtlicher Bedienerführung werden Sie sich positiv abheben. Sie erhalten nicht nur von den Suchdiensten besondere Aufmerksamkeit, sondern von der gesamten Internet-Community.

Der Wert guter Inhalte verbindet alle Themen im Internet.

Content is King.

 

 Die Show-Stopper

Eine gute Präsenz zeigt was der Besucher erwartet und vermeidet im übrigen die Ärgernisse, die ihn vertreiben oder sogar ein negatives Image entstehen lassen.

Das Risiko besteht immer dann, wenn zu viel von einem Feature realisiert wird, also zum Beispiel von den oben positiv hervorgehobenen Animationen. Man kennt die Seiten, auf denen es überall blinkt und flimmert, wo in jeder Ecke ein kleines GIF-Video abläuft oder wenigstens ein Smiley winkt. Das stört die Prägnanz und verjagt den Besucher.

Werbung im Vordergrund verdrängt die Information, die Aufmerksamkeit und die Interessenten. Die harmlosere Variante sind noch die Google-Anzeigen, bevor der Text beginnt. Richtig penetrant und wenig einladend sind die Pop-up Fenster, die sich über die Seitennavigation legen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Besucher weder geduldig 20 Sekunden warten, bis das Bild von selbst verschwindet, noch brav die Möglichkeit suchen, das Fenster zu schließen. Die meisten verlassen einfach die Präsenz.

Wiederholte Verstöße gegen das Relevanz-Prinzip verjagen die Surfer. Hält eine Seite nicht, was die Beschreibung verspricht, erinnert der Besucher sich meist nachhaltig daran – allerdings negativ. Hyperlinks, die hinter Java-Script verborgen sind oder auf Partnerprogramme lenken, laufen massiv gegen das Relevanz-Prinzip. Das gleiche gilt für falsche Beschriftungen von Bildern oder anderen Downloads und selbstverständlich auch für tote Links.

Noch eine kurze Bemerkung zu Links, Verweisen und Fenstern. Öffnet sich bei jeder Verlinkung auf der eigenen Web-Präsenz ein neues Fenster, so ist das ärgerlich, weil es im Browser mehr Platz einnimmt, als notwendig. Zusätzlich und nachhaltig störend wird es empfunden, wenn das neue Fenster auch noch in einem eigenen Format geöffnet wird, das der Internet Explorer in das Profil übernimmt. Dann wird die veränderte Fenstergröße sogar mit jeder neuen Sitzung als Standard angezeigt. Das ist lästig.

Zum Schluss noch eine positive Anregung, deren Fehlen leicht zu einem Show-Stopper wird. Das Web ist interaktiv. Bieten Sie ein Minimum an Interaktionen zur Kontaktaufnahme an. Lassen Sie Personalisierungen zu und animieren Sie den Besucher zur Interaktion. So erhalten Sie ein Feedback, mit dem Sie Ihre Web-Präsenz und die Kommunikation zum Interessenten verbessern. Geben Sie sich zu erkennen, Sie werden mit positiver Resonanz und Aufmerksamkeit belohnt.



[1] Übersichten und Empfehlungen werden in der Literatur zu Usability oder Website-Optimierung ausführlicher behandelt. Zit....